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Sonntag - 16 | 12 | 2018


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Jahresbericht 2016 des Frauenhauses Emden



Rückblick 2016 – 30 Jahre Frauenhaus Emden

Das Jahr 2016 verlief sehr turbulent. Das Fallaufkommen war in allen Arbeitsbereichen sehr hoch. Im stationären Wohnbereich hatten wir eine hohe Nachfrage zu bewältigen. Von besonderer Bedeutung war vor allem der gestiegene Anteil der Migrantinnen mit ihren Kindern. Hierbei handelte es sich zum Teil um Flüchtlingsfamilien mit der speziellen Problematik zum Beispiel durch Traumatisierungen durch die Flucht. Zum anderen nutzten Migrantinnen der zweiten Generation, die bereits in Deutschland geboren wurden, vermehrt unsere Einrichtung. Gewalt und Bedrohung durch die gesamte Herkunftsfamilie – oft des Mannes und die der Frau – führten häufig zu
Hochrisikofällen. Diese Familien erforderten einen sehr hohen Beratungs- und Betreuungsbedarf, der durch unsere dünne Personaldecke nicht ausreichend erfüllt werden konnte.

Zu unserem Jubiläum am 24.11.2016 organisierten wir einen Fachvortrag zum Thema:
"Kein Ort nirgends? Schutz und Beratung für gewaltbetroffene Frauen mit psychischen Beeinträchtigungen."

Psychische Erkrankungen und Beeinträchtigungen erfordern im Kontext häuslicher Gewalt eine besondere Herangehensweise. Frau Dr. Silke Schwarz, Psychologin vom Frauenhaus Cocon in Berlin referierte.
Mit wichtigen KooperationspartnerInnen aus den verschiedenen Institutionen aus Emden und Ostfriesland konnten wir unsere Jubiläumsveranstaltung begehen.

30 Jahre Frauenhaus Emden unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt: das war eine lange, ereignisreiche, wechselhafte Zeit. Wir gaben einen kurzen Überblick über die Entwicklung unserer Einrichtung:

Vom klassischen Frauenschutzhaus zum Beratungszentrum bei häuslicher Gewalt.

Die Anfangsjahre 1979 – 1986 wurden gekennzeichnet von kämpferischen Bestrebungen verschiedener Frauengruppen auch hier in Emden ein Frauenhaus einzurichten. Gewalt gegen Frauen durfte nicht mehr tabuisiert werden – Hilfe und Schutz mussten angeboten werden. Die sehr engagierten verschiedenen Gruppen richteten zunächst eine Frauenfluchtwohnung und später das Frauenhaus ein. 1986 ging dann die Trägerschaft in die Hände der AWO über. Die Jahre 1986 – 1996 wurden durch den Aufbau und Stabilisierung des jetzigen Hauses geprägt.
  • Die Auslastung des Hauses war damals wie heute rund 60 %.
  • Rund 30% der schutzsuchenden Frauen waren im Alter zwischen 30-40 Jahren.
  • Rund 35% kehrten in die Gewaltbeziehung zurück.
  • Der Notruf nach sexueller Gewalt wurde vom Frauenhaus mit angeboten.

Von 1996 – 2006 veränderte sich der Bedarf und die Änderung in der gesetzlichen Grundlage wirkte sich auf die Arbeit unserer Einrichtung aus. Mehr ambulante Angebote wurden erforderlich.
  • 1996 wurde die Frauenberatungsstelle eingerichtet.
  • 2002 trat das Gewaltschutzgesetz in Kraft.
  • Die BISS Beratungs- und Interventionsstellen wurde eingerichtet – seit 2005 angegliedert
    an das Frauenhaus Emden.
  • 2006 – 2016: die verschiedenen Hilfsangebote unter einem Dach bewährten und entwickelten sich.
    Sie wurden gut nachgefragt.

Die bedarfsgerechte Hilfe bei häuslicher Gewalt an einem Ort hatte sich etabliert und als positiv dargestellt.
Neue Herausforderungen und zunehmende Aufgaben in der Arbeit wurden deutlich und machten gleichzeitig die extreme Personalknappheit bei zunehmenden Aufgaben sichtbar – eine besondere Herausforderung, den Anforderungen gerecht zu werden.

Im Einzelnen kristallisierten sich folgende neue Arbeitsschwerpunkte heraus:

  • Die Täterarbeit wurde als Projektphase vom Ostfriesischen Interventionsprojekt eingerichtet und vom Land Niedersachsen mit geringen Mitteln finanziert.
  • Problematisch war, dass eine Täterberatungsstelle in Ostfriesland fehlte. Deshalb war die Täterarbeit nur in einem sehr minimalen Umfang möglich und hatte nicht die notwendige Anbindung an eine Facheinrichtung. Sie würde einen sehr wichtigen Baustein im Interventionsablauf bei häuslicher Gewalt darstellen.
  • Frauen kehrten häufig in die Beziehung zurück. Das Angebot von Paarberatung wurde erforderlich.
  • Hochrisikofälle im Rahmen häuslicher Gewalt wurden erkannt und eine Fortbildung zu diesem Problembereich angeboten. Eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema gründete sich in Emden, um ein Management bei Hochrisikofällen zu entwickeln (siehe auch Punkt 4.1.).
  • Seit einigen Jahren erhöhte sich der Anteil von Migrantinnen mit ihren Kindern im Frauenhaus von ca. 30 % auf 50 %.
  • Die Multiproblemlagen in den Familien nahmen zu. Die Zahl der Bewohnerinnen mit zum Beispiel psychischen Erkrankungen, Suchtproblematik, Schulden und Verwahrlosung erhöhte sich. Diese Frauen hatten einen erhöhten Hilfebedarf und konnten keinen Schutz durch das Gewaltschutzgesetz durchsetzen.
  • Bewohnerinnen mit psychischen Erkrankungen waren eine besondere Herausforderung. Dieses war das Thema unserer Jubiläumsveranstaltung mit Frau Dr. Schwarz vom Frauenhaus Cocon aus Berlin.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren UnterstützerInnen, SponsorInnen, Institutionen und Einzelpersonen.
Wir freuen uns sehr, dass wir auch in diesem Jahr wieder konkrete persönliche und finanzielle Zuwendungen für unsere Arbeit mit den von Gewalt betroffenenFrauen mit ihren Kindern bekommen haben. Neben den festen Zuwendungen des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Jugend und Familie, und dem Zuschuss der Stadt Emden benötigen wir für unsere Arbeit auch immer wieder Spenden.

Unser Dank gilt insbesondere der Volkswagen AG, verschiedenen Kirchengemeinden und einzelnen SpenderInnen.
Ohne Ihre Unterstützung wären die vielfältigen Aufgaben des Frauenhauses Emden nicht möglich – vielen Dank!

Für alle Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Emden


Gabriele Horn-Wulfke
Einrichtungsleitung

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Letzte Aktualisierung: Juli 2018
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